Ligaarchiv / Zweitvertretungen: Wie weit dürfen zweite Mannschaften aufsteigen?
Zweitvertretungen: Wie weit dürfen zweite Mannschaften aufsteigen?
Zweite Mannschaften dürfen in der 3. Liga spielen, aber nicht in der 2. Bundesliga. Sie sind seit 2008 vom DFB-Pokal ausgeschlossen, und beim Abstieg des Profiteams müssen sie mit absteigen. Die Regeln im Überblick.
Warum es diese Seite gibt
Im Ligaarchiv stehen mehrere Zweitvertretungen — Hertha BSC II, RB Leipzig II, Eintracht Frankfurt II, 1. FC Kaiserslautern II, TSG 1899 Hoffenheim II. Ihre Ligahistorie liest sich anders als die aller übrigen Vereine, und der Grund liegt nicht im Sportlichen, sondern im Regelwerk.
Diese Seite erklärt die Regeln einmal zusammenhängend, statt sie auf jeder Vereinsseite zu wiederholen.
Die Obergrenze: 3. Liga
Zweite Mannschaften von Lizenzvereinen — also von Klubs der Bundesliga und 2. Bundesliga — dürfen in der 3. Liga spielen. Weiter nach oben geht es nicht. Die DFB-Spielordnung bestimmt, dass das Recht zum Aufstieg in die 2. Bundesliga entfällt, wenn der Verein bereits mit einer Mannschaft am Spielbetrieb der Lizenzligen teilnimmt.
Der bekannteste Fall trat 2019/20 ein: Die zweite Mannschaft des FC Bayern München gewann die 3. Liga und durfte nicht aufsteigen. Der Verein kritisierte die Regelung und stellte die Frage, warum zweite Mannschaften in der dritten Liga zugelassen sind, in der zweiten aber nicht.
Was beim Abstieg des Profiteams passiert
Zwei Mannschaften desselben Vereins dürfen nicht in derselben Spielklasse antreten. Daraus ergibt sich eine Kettenwirkung, die viele überrascht:
- Steigt ein Zweitligist ab, dessen zweite Mannschaft in der 3. Liga spielt, muss diese die Liga verlassen.
- Sie steigt dann nicht nur eine, sondern zwei Klassen ab — bis in die Oberliga. Denn zweite Mannschaften von Drittligisten sind in der Regionalliga nicht zugelassen.
Der Weg zurück ist entsprechend versperrt: Ein Aufstieg in die Regionalliga wird erst wieder möglich, wenn das Profiteam den Sprung in die 2. Bundesliga schafft.
Bei Amateurvereinen gilt dasselbe Prinzip eine Etage tiefer: Die zweite Mannschaft eines Regionalligisten kann höchstens in der Oberliga spielen, die eines Oberligisten höchstens in der sechsten Liga. Nur in der untersten Liga eines Fußballkreises dürfen mehrere Teams eines Klubs antreten.
Kein DFB-Pokal seit 2008
Reservemannschaften dürfen seit 2008 nicht mehr am DFB-Pokal teilnehmen. Davor war das möglich — und führte zu Begegnungen, die es heute nicht mehr geben kann.
1993 erreichte Hertha BSC II das Pokalfinale im heimischen Olympiastadion und verlor 0:1 gegen Bayer 04 Leverkusen. Es gab auch das Duell FC Bayern München gegen FC Bayern München II, das die erste Mannschaft 5:3 gewann.
Von der Pflicht zur Freiwilligkeit
Bis 2014 waren Reservemannschaften in Form von U23-Teams für Vereine der Bundesliga und 2. Bundesliga Pflicht. Diese Regelung wurde zum Ende der Saison 2013/14 aufgehoben. Seither entscheiden die Vereine selbst, ob sie eine zweite Mannschaft unterhalten; einige schafften sie ab, andere führten sie später wieder ein.
Geführt werden die Teams meist als U23; der Zusatz lautet je nach Verein „II“, „U23″ oder früher „Amateure“.
Die Kritik
Der Umstand, dass Profivereine ihre Zweitvertretungen mit erfahrenen Spielern aus dem Profikader verstärken können, gilt vielen Konkurrenten in dritter und vierter Liga als Wettbewerbsverzerrung. Wiederholt wurde eine eigene Liga für zweite Mannschaften gefordert, wie sie in England mit der Premier League 2 besteht und in Deutschland zuletzt 1994 existierte. Eine Petition dazu erreichte fast 10.000 Unterschriften.
Der DFB lehnt das ab und begründet es mit der Entwicklung junger Spieler: Eine eigene Liga für U21- oder U23-Mannschaften sei aus sportlicher Sicht kontraproduktiv, weil Spielzeit im Seniorenbereich nötig sei.
Das Ligaarchiv gibt die Positionen wieder, ohne Partei zu ergreifen.
Was das für dieses Archiv bedeutet
Die Ligahistorie einer Zweitvertretung ist damit nur eingeschränkt vergleichbar mit der eines eigenständigen Vereins. Ein erster Platz bedeutet nicht notwendig einen Aufstieg, ein Abstieg kann zwei Klassen umfassen, und der Traditionsindex ist auf diese Mannschaften nicht sinnvoll anwendbar. Ihre Seiten führen deshalb nur die belegten Saisondaten und diesen Verweis.
Häufige Fragen zu Zweitvertretungen
Dürfen zweite Mannschaften in die 2. Bundesliga aufsteigen?
Nein. Die DFB-Spielordnung schließt das aus, wenn der Verein bereits mit einer Mannschaft in den Lizenzligen spielt.
Was geschah 2019/20 mit dem FC Bayern München II?
Die Mannschaft gewann die 3. Liga und durfte nicht aufsteigen.
Was passiert mit der zweiten Mannschaft, wenn das Profiteam absteigt?
Spielt sie in derselben Klasse, muss sie diese verlassen — und steigt bis in die Oberliga ab, weil zweite Mannschaften von Drittligisten in der Regionalliga nicht zugelassen sind.
Warum spielen zweite Mannschaften nicht im DFB-Pokal?
Seit 2008 sind Reservemannschaften vom Wettbewerb ausgeschlossen.
Stand eine zweite Mannschaft schon im Pokalfinale?
Ja. Hertha BSC II erreichte 1993 das Finale im Olympiastadion und verlor 0:1 gegen Bayer 04 Leverkusen.
Sind zweite Mannschaften Pflicht?
Nicht mehr. Bis 2014 mussten Bundesligisten und Zweitligisten ein U23-Team unterhalten; die Regelung wurde zum Ende der Saison 2013/14 aufgehoben.
Wie weit darf die zweite Mannschaft eines Amateurvereins aufsteigen?
Höchstens bis eine Klasse unter die erste Mannschaft. Nur in der untersten Liga eines Fußballkreises dürfen mehrere Teams eines Klubs antreten.