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Bökelbergstadion: Die Kull, in der zwei Spiele verschwanden
Das Bökelbergstadion wurde am 20. September 1919 als Westdeutsches Stadion in einer ehemaligen Kiesgrube eröffnet und 2006 abgerissen. Zwei seiner bekanntesten Spiele wurden annulliert und tauchen in keiner Tabelle auf.

Eine Kiesgrube mit Mauer
Am 20. September 1919 wurde die Anlage unter dem Namen Westdeutsches Stadion eröffnet. Im Kern war sie eine ehemalige Kiesgrube, die man mit einer Mauer umgeben hatte und auf deren Grund ein Sportplatz lag. Die Gladbacher nannten sie deshalb schlicht de Kull. Den Namen Bökelbergstadion trägt sie erst seit dem 28. Juli 1962, dem Jahr des ersten Pokalsiegs der Borussia.
Die Ränge wurden 1962 befestigt, 1972 der Osthang geschlossen. Mehr als 34.500 Zuschauer passten nie hinein, davon nur 8.722 auf Sitzplätzen. Für die Begeisterung um die Mannschaft der siebziger Jahre war das zu wenig: Europapokalspiele trug die Borussia regelmäßig im grösseren Düsseldorfer Rheinstadion aus.
Zwei Spiele, die es nicht gibt
Am 3. April 1971 empfing die Borussia als Titelverteidiger Werder Bremen. In der 88. Minute prallte Herbert Laumen beim Kopfballversuch mit dem Bremer Torwart zusammen, fiel rückwärts ins Netz — und der zwölf mal zwölf Zentimeter dicke Holzpfosten brach direkt über der Grasnarbe ab. Das Tor stürzte ein, Ersatz war nicht vorhanden, Schiedsrichter Meuser brach ab.
Am 29. April wertete das Sportgericht des DFB die Partie mit 2:0 für Bremen: Die Borussia hätte als Gastgeberin für ein Ersatztor sorgen müssen. Dazu kamen 1.500 D-Mark Strafe. Deutscher Meister wurde Gladbach trotzdem. Die dauerhafte Folge betrifft bis heute jeden Platz in Deutschland: Nach dem Pfostenbruch wurden Holztore abgeschafft, seit 1971 sind Aluminiumpfosten Standard.
Ein halbes Jahr später, am 20. Oktober 1971, schlug die Borussia im Europapokal der Landesmeister Inter Mailand mit 7:1 — das beste Europapokalspiel ihrer Geschichte. Beim Stand von 2:1 war der Mailänder Roberto Boninsegna zu Boden gegangen, offenbar von einer geworfenen Dose getroffen, und liess sich vom Platz tragen. Die UEFA annullierte das Spiel. Das Wiederholungsspiel in Berlin endete 0:0, das Rückspiel ging 2:4 verloren, Gladbach schied aus. Die Dose nahm der niederländische Schiedsrichter mit; 2012 kehrte sie nach Mönchengladbach zurück.
Beide Ergebnisse tauchen in keiner Tabelle auf. Das Ligaarchiv führt sie hier, weil ein annulliertes Spiel Teil der Stadiongeschichte bleibt, auch wenn es aus der Statistik verschwunden ist.
Abriss
Das letzte Bundesligaspiel fand am 22. Mai 2004 statt, ein 3:1 gegen den TSV 1860 München; das letzte Tor erzielte Arie van Lent. Ab Januar 2006 wurde abgerissen. Die Sprengung der Haupttribüne am 7. März 2006 scheiterte zunächst, weil die Sprengkraft die Fundamente der beiden Tragsäulen des Tribünendachs nicht zerstörte; erst nach dem manuellen Durchtrennen der Halteseile fiel sie, mit Stunden Verspätung. Am 2. August 2006 wurde der letzte Flutlichtmast gesprengt.
Seit 2007 steht auf dem Gelände ein Wohngebiet. Ein kleines Denkmal erinnert an die Spielstätte. Damit ist der Bökelberg einer der wenigen Fälle in Deutschland, in denen von der Heimat eines Serienmeisters nichts erhalten blieb — anders als beim Parkstadion in Gelsenkirchen, dessen Fläche heute Trainingsplätze und ein kleines Stadion trägt.
Häufige Fragen zum Bökelbergstadion
Wann wurde das Bökelbergstadion eröffnet?
Am 20. September 1919, damals als Westdeutsches Stadion. Den Namen Bökelbergstadion trägt es seit dem 28. Juli 1962.
Wie viele Zuschauer fasste der Bökelberg?
34.500, davon 8.722 auf Sitzplätzen. Für internationale Spiele wich die Borussia deshalb nach Düsseldorf aus.
Was war der Pfostenbruch vom Bökelberg?
Am 3. April 1971 brach im Spiel gegen Werder Bremen ein Holzpfosten ab, das Tor stürzte ein, die Partie wurde abgebrochen und mit 2:0 für Bremen gewertet. Seither sind Aluminiumtore Standard.
Was war der Büchsenwurf?
Am 20. Oktober 1971 gewann Gladbach im Europapokal 7:1 gegen Inter Mailand. Beim Stand von 2:1 war Roberto Boninsegna zu Boden gegangen, offenbar von einer Dose getroffen. Die UEFA annullierte das Spiel.
Wann wurde der Bökelberg abgerissen?
Ab Januar 2006. Die Sprengung der Haupttribüne am 7. März 2006 scheiterte zunächst, der letzte Flutlichtmast fiel am 2. August 2006.
Was steht heute auf dem Gelände?
Seit 2007 ein Wohngebiet. Ein kleines Denkmal erinnert an das Stadion.
Warum hiess der Bökelberg de Kull?
Weil die Anlage in einer ehemaligen Kiesgrube lag. Kull ist das rheinische Wort dafür.
Quellen: Bökelbergstadion bei Wikidata (CC0) (abgerufen 2026-09-05) · Pfostenbruch vom Bökelberg, Wikipedia (abgerufen 2026-09-05) · Mythos Bökelberg, Stadt Mönchengladbach (abgerufen 2026-09-05) · Kurioser Spielabbruch, bundesliga.com (abgerufen 2026-09-05) · Spurensuche Bökelberg, bundesliga.com (abgerufen 2026-09-05)
Zuletzt geprüft: durch die Ligaarchiv-Redaktion.