Stadion auf der Waldau: Deutschlands ältester Spielort
Die Stuttgarter Kickers spielen seit 1905 an derselben Stelle auf der Waldau. Kein anderer deutscher Verein trägt so lange am selben Ort seine Heimspiele aus. Ein Bundesligaspiel hat die Anlage allerdings nie gesehen.

Das älteste bespielte Fußballstadion Deutschlands
Am 18. Juni 1905 wurde auf der Waldau in Stuttgart-Degerloch der Kickers-Platz eröffnet, der erste geschlossene Sportplatz Stuttgarts. Seither tragen die Stuttgarter Kickers hier ihre Heimspiele aus. Kein anderer deutscher Fußballverein spielt so lange am selben Ort. Am 22. November 2025 wurde an der Haupttribüne eine Gedenktafel enthüllt, die den Ort als ältestes noch bespieltes Fußballstadion Deutschlands würdigt.
Die Konkurrenz dieser Auszeichnung ist inzwischen verschwunden oder abgerissen: Das Stadion Wilschenbruch in Lüneburg, ebenfalls von 1905, wurde nach dem letzten Spiel im März 2014 abgerissen. Der alte Tivoli in Aachen von 1908 und die Adolf-Jäger-Kampfbahn in Altona teilen dasselbe Schicksal.
Eine Einschränkung gehört dazu: Ganz durchgehend war der Spielbetrieb nicht. In der Zweitligasaison 1981/82 wich der Verein wegen des Neubaus der Gegentribüne aus, in den Bundesligajahren 1988/89 und 1991/92 aus Sicherheitsgründen — jeweils ins Neckarstadion. Der Verein selbst weist darauf hin.
Wie der Platz entstand
1905 stellte die Stuttgarter Militärkommandantur ihr Degerlocher Exerziergelände der Stadt zur Verfügung — unter der ausdrücklichen Bedingung, dass darauf ein Sportplatz zu errichten sei. Zur Eröffnung mit einem Spiel gegen Phönix Karlsruhe bestand die Anlage aus einem Zaun um das Spielfeld, einem Podium für Gäste und einem Nebenplatz.
1906 kam eine Holztribüne mit 100 Plätzen dazu, 1910 eine neue mit 140 nummerierten und 450 unnummerierten Sitzen. Am 26. März 1911 fand hier das erste Länderspiel in Stuttgart statt: Deutschland schlug die Schweiz vor 8.000 Zuschauern mit 6:2.
Während des Ersten Weltkriegs nutzte die Stadtverwaltung das Gelände zum Anbau landwirtschaftlicher Erzeugnisse — erst im Juli 1919 wurde wieder Fußball gespielt.
Auf 500 Metern Höhe
Das Stadion liegt rund 200 Meter neben dem Stuttgarter Fernsehturm, knapp 500 Meter über dem Meeresspiegel. Damit gehört es zu den höchstgelegenen Stadien Deutschlands, was im Winter regelmäßig Folgen für die Bespielbarkeit hat.
Kapazität
Die Angaben schwanken je nach Stichjahr und Zählweise zwischen 11.408 und 11.468 Plätzen. Der Verein nennt 11.468, davon 2.271 Sitzplätze auf der Haupttribüne und 9.197 Stehplätze; ältere Quellen kommen auf 11.410 mit anderer Aufteilung.
Die Unterschiede gehen auf den Neubau der Haupttribüne zurück: Die alte von 1976 wurde 2014 abgerissen und bis Februar 2015 durch einen Bau mit 2.270 Sitzplätzen ersetzt, der den Anforderungen der 3. Liga entspricht.
Der Namensverkauf 2004
Seit April 2004 trägt die Anlage einen Sponsorennamen. Der Hintergrund ist ungewöhnlich: Die Kickers standen kurz vor der Insolvenz. Der damalige Hauptsponsor erwarb die Namensrechte und zahlte je 500.000 Euro an die Stadt Stuttgart und an den Verein, womit dessen jährlicher Refinanzierungsbetrag beglichen werden sollte. Die Rechte gingen zunächst für zehn Jahre weg.
Damit ist dies im Ligaarchiv der einzige Fall, in dem der Verkauf eines Stadionnamens unmittelbar der Rettung eines Vereins diente.
Häufige Fragen zum Stadion auf der Waldau
Welches ist das älteste Fußballstadion Deutschlands?
Das Stadion auf der Waldau in Stuttgart-Degerloch, eröffnet am 18. Juni 1905. Seit November 2025 würdigt eine Gedenktafel es als ältestes noch bespieltes Stadion des Landes.
Wie viele Zuschauer fasst das Stadion?
Je nach Zählweise 11.408 bis 11.468 Plätze, davon rund 2.270 Sitzplätze auf der Haupttribüne.
Spielten die Kickers immer hier?
Fast. In den Spielzeiten 1981/82, 1988/89 und 1991/92 wich der Verein ins Neckarstadion aus — wegen eines Tribünenneubaus und aus Sicherheitsgründen.
Wie hoch liegt das Stadion?
Knapp 500 Meter über dem Meeresspiegel, rund 200 Meter neben dem Fernsehturm. Es ist eines der höchstgelegenen Stadien Deutschlands.
Wann fand hier das erste Länderspiel statt?
Am 26. März 1911. Deutschland gewann vor 8.000 Zuschauern mit 6:2 gegen die Schweiz.
Warum wurde der Stadionname verkauft?
2004 standen die Kickers kurz vor der Insolvenz. Der Hauptsponsor erwarb die Namensrechte und zahlte je 500.000 Euro an Stadt und Verein.
Wem gehört das Stadion?
Der Landeshauptstadt Stuttgart, die es über ihr Amt für Sport und Bewegung betreibt.
Was geschah hier im Ersten Weltkrieg?
Die Stadtverwaltung nutzte das Gelände zum Anbau landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Erst im Juli 1919 wurde wieder gespielt.
Quellen: Stadion auf der Waldau bei Wikidata (CC0) (abgerufen 2026-09-04) · Stadiongeschichte, stuttgarter-kickers.de (abgerufen 2026-09-04) · Club-by-club historical guide, bundesliga.com (abgerufen 2026-09-04)
Zuletzt geprüft: durch die Ligaarchiv-Redaktion.