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Waldstadion Frankfurt: Zwei Weltmeisterschaften, ein Neubau an gleicher Stelle

Das Waldstadion im Frankfurter Stadtwald war Spielort der Weltmeisterschaften 1974 und 2006. Für das zweite Turnier wurde es an derselben Stelle neu gebaut. Es fasst 51.500 Zuschauer.

Illustrierte geschlossene Stadionschale im Wald, Waldstadion Frankfurt
KI-generierte Illustration. Kein Bezug zu einem realen Bauwerk.

Gebaut auf einer Militärschießanlage

Als Standort wählte man das Gelände einer ehemaligen Militärschießanlage im Frankfurter Stadtwald. Nach dem Ersten Weltkrieg waren schießende Deutsche bei den Siegermächten nicht erwünscht, das Areal wurde frei — und der einstige Kugelfang, aufgeschüttet zum Abfangen verfehlter Schüsse, bildete die Grundlage für die Gegentribüne.

Damit steht Frankfurt neben Köln, wo das Stadion auf geschleiften Festungsanlagen entstand, und dem Stadion auf der Waldau, das die Militärkommandantur auf ihrem Exerziergelände zuließ. Drei Anlagen, die aus militärisch genutzten Flächen hervorgingen.

Eröffnet wurde nach vierjähriger Bauzeit am 21. Mai 1925, für 3,7 Millionen Mark. Die Haupttribüne des Stadtbaurats Gustav Schaumann war mit weißem Muschelkalk verkleidet und ihrem Mittelteil einem antiken griechischen Theater nachempfunden.

Ein Sportpark, kein Stadion

Geplant war von Beginn an mehr als ein Fußballplatz: Zur Anlage gehörten ein Schwimmbad, eine Wintersporthalle, eine Radrennbahn und ein kleines Theater. Die Schwimmbahn wurde am 5. Juli 1925 eröffnet, die Radrennbahn am 15. September.

Wenige Wochen nach der Einweihung sorgte die Arbeiterolympiade vom 24. bis 28. Juli 1925 mit Teilnehmern aus zwölf Nationen für internationales Aufsehen — ein Sportfest der Arbeitersportbewegung, das im Ligaarchiv sonst nirgends auftaucht.

Sportfeld, Victory Park, Waldstadion

Die Namensgeschichte spiegelt die politische:

  • 1935 umbenannt in Sportfeld — den Nationalsozialisten war der griechische Ursprung des Wortes Stadion zu undeutsch. Dass auch Sport kein deutsches Wort ist, blieb unbeachtet.
  • In den dreißiger Jahren diente die Anlage vor allem politischen Aufmärschen, teilweise mit mehr als 150.000 Menschen. 1937 stieg die Kapazität durch den Ausbau der Gegengerade auf 55.000.
  • Nach 1945 beschlagnahmte die amerikanische Besatzungsmacht das Areal und nannte es Victory Park. Erst 1948 gingen Radrennbahn, Tennisanlagen und Wintersporthalle zurück, am 7. Juni 1950 zog sich die Siegermacht vollständig zurück.

Der Name Sportfeld überlebte länger als das Regime, das ihn vergab: Bis 2006 hieß so noch die S-Bahn-Haltestelle. Erst zur Weltmeisterschaft wurde sie in Stadion umbenannt.

70.000 Karten für 55.000 Plätze

Am 17. Mai 1953 wurden zum Spiel von Eintracht Frankfurt gegen den 1. FC Kaiserslautern fast 70.000 Karten für eine Arena mit 55.000 Plätzen verkauft. Daraufhin plante das Gartenamt noch im selben Jahr eine deutliche Erweiterung.

Ähnliche Missverhältnisse verzeichnet das Ligaarchiv im Ernst-Abbe-Sportfeld und im Erzgebirgsstadion — Zahlen, die über der offiziellen Kapazität liegen und die Praxis jener Jahre beschreiben.

Der Neubau von 2002 bis 2005

Für die Weltmeisterschaft 2006 wurde die Anlage als reines Fußballstadion ohne Leichtathletik neu errichtet, eingeweiht am 15. Juni 2005 mit dem Eröffnungsspiel des Konföderationen-Pokals. Radrennbahn, Kunsteisbahn und Minigolfanlage verschwanden.

Technisch hervorzuheben ist das in zwanzig Minuten schließbare Zeltdach; unter der Arena entstand eine Tiefgarage mit 1.800 Stellplätzen.

Die Kapazitätsangaben

  • 35.000 bei der Eröffnung 1925
  • 55.000 ab 1937
  • 87.000 in der Stadionübersicht der siebziger Jahre
  • 51.500 bis 60.100 heute, je nach Quelle und Konfiguration; bei internationalen Spielen 53.800

Die Spannweite der heutigen Angaben erklärt sich durch Umbauten und die Umwandlung von Steh- in Sitzplätze. Das Ligaarchiv nennt die Reihe mit Jahresangaben.

Was hier stattfand

Das erste Endspiel um die deutsche Meisterschaft fand am 7. Juni 1925 statt, wenige Wochen nach der Eröffnung. Später kamen Spiele der Weltmeisterschaften 1974 und 2006, der Europameisterschaften 1988 und 2024, der Frauen-Weltmeisterschaft 2011 sowie das UEFA-Pokal-Finale 1980 dazu — jenes Rückspiel, in dem Eintracht Frankfurt den Titel gegen Borussia Mönchengladbach holte.

Häufige Fragen zum Waldstadion

Wie viele Zuschauer fasst das Waldstadion?

Je nach Quelle und Konfiguration 51.500 bis 60.100; bei internationalen Spielen 53.800.

Worauf wurde das Stadion gebaut?

Auf dem Gelände einer ehemaligen Militärschießanlage. Der frühere Kugelfang bildete die Grundlage für die Gegentribüne.

Wann wurde das Waldstadion eröffnet?

Am 21. Mai 1925, nach vierjähriger Bauzeit und für 3,7 Millionen Mark.

Warum hieß das Stadion Sportfeld?

Die Nationalsozialisten benannten es 1935 um, weil ihnen der griechische Ursprung des Wortes Stadion zu undeutsch war. Bis 2006 hieß so noch die S-Bahn-Haltestelle.

Was war der Victory Park?

Der Name des Areals unter amerikanischer Besatzung nach 1945. Erst 1950 zog sich die Besatzungsmacht vollständig zurück.

Was geschah 1953?

Zum Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern wurden fast 70.000 Karten für 55.000 Plätze verkauft; daraufhin plante die Stadt eine Erweiterung.

Was gehörte alles zum Sportpark?

Neben dem Stadion ein Schwimmbad, eine Wintersporthalle, eine Radrennbahn und ein kleines Theater.

Quellen: Deutsche Bank Park bei Wikidata (CC0) (abgerufen 2026-09-05) · Erfolge und Rekorde, museum.eintracht.de (abgerufen 2026-09-05) · Fußball-Bundesliga 1970/71, Wikipedia (abgerufen 2026-09-05)

Zuletzt geprüft: durch die Ligaarchiv-Redaktion.

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