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Dreisamstadion: Der schräge Platz am Schwarzwaldrand

Das Dreisamstadion war mehr als sechzig Jahre die Heimat des SC Freiburg. Es fasste 24.000 Zuschauer, hatte einen spürbar schrägen Platz und wurde in den neunziger Jahren zu einem der ersten solarbetriebenen Stadien Europas umgebaut.

Illustrierte Tribünendächer mit Solarfeldern am Fluss, Dreisamstadion in Freiburg
KI-generierte Illustration. Kein Bezug zu einem realen Bauwerk.

Das Spielfeld, das nie den Regeln entsprach

Kein Stadion im Ligaarchiv hatte eine so eigenwillige Spielfläche. Zwei Abweichungen prägten sie über Jahrzehnte:

  • Das Feld war rund viereinhalb bis fünf Meter zu kurz — 100,5 statt der vorgeschriebenen 105 Meter. Der SC Freiburg durfte deshalb jahrzehntelang nur mit einer Sondergenehmigung der DFL in der Bundesliga spielen.
  • Zwischen beiden Toren lag ein Gefälle von 98 Zentimetern. Die Mannschaften spielten eine Halbzeit bergauf und eine bergab.

Eine Einebnung war baulich unmöglich, weil das Fundament der Dachträger in die Spielfläche hineinreichte. Dazu kamen sichtbehindernde Stützpfeiler auf der Haupttribüne.

Der Verein selbst hat das nie beschönigt — und die Nähe der Tribünen machte aus den Einschränkungen einen Vorteil: Das Stadion galt bei Gastmannschaften als unangenehm.

Vom SC-Platz zum Dreisamstadion

Die erste eigene Spielstätte des Vereins war das 1928 eingeweihte Winterer-Stadion, das der SC 1936 verlassen musste, weil die Luftwaffe das Gelände als Flugplatz benötigte. Nach dem Krieg stand der Verein zunächst ohne eigenen Platz da.

Die Anlage an der Dreisam wurde 1953 gebaut und 1954 eröffnet; seit September 1955 spielte der SC hier. Bis 1967 hieß sie schlicht SC-Platz.

Damit ist Freiburg der zweite Fall im Bestand, in dem militärische Nutzung einen Verein zum Ortswechsel zwang — mit umgekehrtem Vorzeichen zu Mönchengladbach, Frankfurt, Köln und Stuttgart, wo aufgegebene Militärflächen zu Stadien wurden.

Ein Flickenteppich über sieben Jahrzehnte

Die Anlage wurde immer wieder stückweise erweitert, um den Anforderungen zu genügen:

  • 1993 nach dem ersten Bundesligaaufstieg: erstes Flutlicht, Oberrang auf der Gegengerade, drei zusätzliche Stufen im Norden
  • 1994/95 Haupttribüne auf 5.000 Plätze erweitert, neue Südtribüne mit 4.400 Steh- und 2.200 Sitzplätzen — Gesamtkapazität 22.500
  • 1999 Nord- und Osttribüne erweitert beziehungsweise neu gebaut: 6.000 Stehplätze im Norden, 7.000 Sitzplätze im Osten, dazu behindertengerechte Plätze direkt am Spielfeld

Am Ende fasste das Stadion 24.000 Zuschauer: 14.000 Sitz- und 10.000 Stehplätze, verteilt auf vier Tribünen mit offenen Ecken. Bei internationalen Spielen waren es 18.000.

Warum der Umzug kam

2012 wurde eine Modernisierung als unwirtschaftlich eingestuft. Eine Kapazitätserhöhung war nach einer erfolgreichen Klage von Anwohnern nicht mehr möglich — damit blieb nur der Neubau. Im Februar 2015 entschied ein Bürgerentscheid über Bau und Standort.

Am 26. September 2021 rollte der Ball zum letzten Mal in der Bundesliga über das Feld an der Dreisam: ein 3:0 gegen den FC Augsburg vor 14.500 Zuschauern. Nach 22 Erstligasaisons, mehr als 350 Bundesligapartien und 999 Erstligatoren war Schluss.

Anders als der Bökelberg wurde die Anlage nicht abgerissen: Seit 2021/22 spielen hier die zweite Mannschaft und die Frauen des SC Freiburg.

Solaranlage seit den neunziger Jahren

Das Dreisamstadion gehört zu den drei Solarstadien im Ligaarchiv — und ist der früheste Fall. Bereits Anfang der neunziger Jahre entstand hier eine Anlage; das Weserstadion folgte mit 16.000 Quadratmetern deutlich später, das Fritz-Walter-Stadion mit 6.000 Quadratmetern beim WM-Umbau.

Vier Namen in zwanzig Jahren

Fünfzig Jahre lang hieß die Anlage Dreisamstadion. Ab 2004 folgten drei Sponsorennamen, der letzte davon nach dem Schwarzwald — allerdings nicht aus Lokalpatriotismus, sondern weil eine Touristikgesellschaft die Namensrechte erwarb, um die Region zu bewerben. Seit 2021 gilt wieder der historische Name.

Häufige Fragen zum Dreisamstadion

Wie viele Zuschauer fasst das Dreisamstadion?

24.000, davon 14.000 Sitz- und 10.000 Stehplätze. Bei internationalen Spielen waren es 18.000.

Warum war das Spielfeld zu klein?

Es maß 100,5 statt der vorgeschriebenen 105 Meter. Der SC Freiburg spielte deshalb nur mit einer Sondergenehmigung der DFL in der Bundesliga.

Was hatte es mit dem Gefälle auf sich?

Zwischen den Toren lagen 98 Zentimeter Höhenunterschied. Eine Einebnung war unmöglich, weil das Fundament der Dachträger in die Spielfläche reichte.

Warum zog der SC Freiburg um?

Eine Modernisierung galt 2012 als unwirtschaftlich, und eine Kapazitätserhöhung war nach einer Anwohnerklage nicht mehr möglich.

Wann war das letzte Bundesligaspiel?

Am 26. September 2021, ein 3:0 gegen den FC Augsburg vor 14.500 Zuschauern.

Wird das Stadion noch genutzt?

Ja. Seit 2021/22 spielen dort die zweite Mannschaft und die Frauen des SC Freiburg.

Warum musste der Verein 1936 sein erstes Stadion verlassen?

Die Luftwaffe benötigte das Gelände des Winterer-Stadions als Flugplatz.

Seit wann gibt es die Solaranlage?

Seit Anfang der neunziger Jahre. Es ist die früheste Stadionsolaranlage im Bestand des Ligaarchivs.

Quellen: Dreisamstadion bei Wikidata (CC0) (abgerufen 2026-09-05) · Abschied vom Freiburger Dreisamstadion, sportschau.de (abgerufen 2026-09-05) · SC Freiburg, LiberoGuide (abgerufen 2026-09-05) · SC Freiburg, Wikipedia (abgerufen 2026-09-05)

Zuletzt geprüft: durch die Ligaarchiv-Redaktion.

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