Olympiastadion Berlin: Ein Bauwerk der NS-Zeit im laufenden Betrieb
Das Olympiastadion wurde am 1. August 1936 für die Olympischen Spiele eröffnet und fasst heute 74.475 Zuschauer. Anders als bei anderen Bauten der NS-Zeit ist hier nicht der Name der Zeuge, sondern das Bauwerk selbst.

Ein Stadion, das dreimal geplant wurde
Die Vorgeschichte reicht ins Kaiserreich: Berlin erhielt den Zuschlag für die Olympischen Spiele 1916, die wegen des Ersten Weltkriegs ausfielen. Am 18. Oktober 1925 legte Reichspräsident von Hindenburg den Grundstein für ein Sportforum — obwohl noch keine Entwürfe vorlagen. Den Ideenwettbewerb gewannen die Brüder Werner und Walter March, Söhne des Architekten des früheren Deutschen Stadions.
Ende der zwanziger Jahre entstanden Pläne, das bestehende Stadion auf 65.000 Plätze zu erweitern. Diesen Traum beendete die Weltwirtschaftskrise.
Gebaut wurde schließlich von 1934 bis 1936 nach Plänen Werner Marchs, im Auftrag der nationalsozialistischen Regierung und mit staatlichen Mitteln. Die Kosten lagen bei 43 Millionen Reichsmark. Eröffnet wurde am 1. August 1936, mit Platz für rund 100.000 Zuschauer.
Warum dieser Fall anders liegt
Das Ligaarchiv verzeichnet mehrere Spielstätten, die ihre NS-Vergangenheit im Namen trugen: das Neckarstadion hieß von 1933 bis 1945 Adolf-Hitler-Kampfbahn, das Stadion Oberwerth und das Moselstadion trugen den Namen Görings, das Wormatia-Stadion den Hitlers. In allen diesen Fällen wurde nach 1945 der Name geändert, und das Bauwerk blieb ein Sportplatz wie andere auch.
Hier ist es umgekehrt: Der Name ist unverfänglich, das Bauwerk selbst ist der Zeuge. Mit seinen klaren geometrischen Formen orientiert es sich an antiken Sportstätten; das benachbarte Maifeld diente Propagandaveranstaltungen. Deshalb führt das Ligaarchiv diesen Zusammenhang auf der Stadionseite und nicht als Fußnote: Wer nach der Kapazität sucht, soll die Herkunft des Bauwerks nicht erst anderswo nachschlagen müssen.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände umfunktioniert — als Bunker, Zünderproduktion, Munitionslager und Ausweichstandort des Rundfunks.
Der Umbau unter Denkmalschutz
Nach der Wiedervereinigung sollte das Stadion für eine erneute Olympiabewerbung umgebaut werden; das IOC zeigte wenig Neigung, in diese Arena zurückzukehren. Erst der Zuschlag für die Weltmeisterschaft 2006 machte den Umbau möglich, ausgeführt von 2000 bis 2004 für rund 242 Millionen Euro, davon 196 Millionen vom Bund.
Die Auflagen des Denkmalschutzes prägen das Ergebnis bis ins Detail:
- Alle Ein- und Umbauten sind wieder entfernbar gestaltet — der Zustand vor 2000 ließe sich theoretisch wiederherstellen.
- Neue Feuerhalter wurden in den Umgängen angebracht, die auf Fotografien von 1936 fehlen.
- Die blaue Tartanbahn, auf Wunsch und Kosten von Hertha BSC in Vereinsfarben aufgetragen, wurde vom Denkmalschutz kritisiert.
Im Ligaarchiv ist das der weitgehendste Fall denkmalpflegerischer Vorgaben an einem Stadion. Vergleichbar ist allein das Karl-Liebknecht-Stadion in Potsdam, dessen Flutlichtmasten sich einklappen lassen, damit die Sichtachse eines Weltkulturerbe-Parks frei bleibt.
Die Kapazität und ihre Zahlen
- rund 100.000 bei der Eröffnung 1936
- 74.475 heute nach den meisten Angaben; genannt werden auch 74.244, 74.725 und 73.856
Die Unterschiede gehen auf Umbauten, Logenzählung und Stichjahre zurück. Seit dem Umbau sind alle Plätze überdacht; das Dach ist eine Kragarmkonstruktion in Stahlbauweise mit Membranhaut, an der eine durchgehende Flutlichtbeleuchtung montiert ist.
Der Bundesligarekord von 1969
88.075 Zuschauer sahen 1969 das Spiel zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Köln — bis heute Zuschauerrekord der Bundesliga.
Seit 1985 findet hier jährlich das Endspiel um den DFB-Pokal statt. Dazu kommen Spiele der Weltmeisterschaften 1974 und 2006, die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2009 und das Champions-League-Finale 2015.
Hertha BSC nutzt das Stadion seit 1963, mit Ausnahme der Jahre 1986 bis 1988. Zeitweise spielten hier auch Tasmania Berlin, Tennis Borussia und Blau-Weiß 1890.
Häufige Fragen zum Olympiastadion Berlin
Wie viele Zuschauer fasst das Olympiastadion?
Rund 74.475 Plätze, alle überdacht. Bei der Eröffnung 1936 waren es etwa 100.000.
Wann wurde das Olympiastadion gebaut?
Von 1934 bis 1936 nach Plänen von Werner March, eröffnet am 1. August 1936. Die Kosten lagen bei 43 Millionen Reichsmark.
Was kostete der Umbau von 2000 bis 2004?
Rund 242 Millionen Euro, davon 196 Millionen vom Bund.
Warum sind alle Umbauten wieder entfernbar?
Wegen der Auflagen des Denkmalschutzes. Der Zustand vor 2000 ließe sich theoretisch wiederherstellen.
Warum ist die Laufbahn blau?
Sie wurde auf Wunsch und Kosten von Hertha BSC in den Vereinsfarben aufgetragen. Der Denkmalschutz kritisierte die Farbgebung.
Was ist der Zuschauerrekord der Bundesliga?
88.075 Zuschauer beim Spiel Hertha BSC gegen den 1. FC Köln im Jahr 1969.
Wo findet das DFB-Pokalfinale statt?
Seit 1985 jährlich im Olympiastadion Berlin.
Wie geht das Ligaarchiv mit der Baugeschichte um?
Es benennt sie auf der Stadionseite. Anders als bei Spielstätten, die nur ihren Namen aus der NS-Zeit trugen, ist hier das Bauwerk selbst das Zeugnis.
Quellen: Olympiastadion Berlin bei Wikidata (CC0) (abgerufen 2026-09-05) · Hertha BSC, Wikipedia (abgerufen 2026-09-05) · Hertha BSC Saison 1970/71, English Wikipedia (abgerufen 2026-09-05)
Zuletzt geprüft: durch die Ligaarchiv-Redaktion.