Ein Stadion, das aus einer Fusion entstand
Die Geschichte beginnt 1919 mit der Fusion der Darmstädter Vereine FK Olympia und SC 05. Erstmals wurde der Wunsch nach einer eigenen großen Sportanlage laut, weil der bisherige Platz nicht mehr genügte.
Eröffnet wurde am 24. Juli 1921 im Rahmen einer Sportwoche zum 21. Verbandstag des Süddeutschen Fußballverbandes; erster Gegner war Helvetia Frankfurt, das Spiel endete 4:1. In den zwanziger Jahren bot die Anlage rund 8.000 Zuschauern Platz und umfasste eine 380 Meter lange Aschenlaufbahn.
Mehr als hundert Jahre später steht die Heimat des SV Darmstadt 98 noch immer an derselben Stelle. Im Ligaarchiv gehört das Böllenfalltor damit zur kleinen Gruppe der ortstreuen Anlagen — nach der Waldau von 1905, dem Ruhrstadion von 1911, dem Holstein-Stadion von 1911 und dem Eintracht-Stadion von 1923.
Gebaut auf Kriegsschutt
Der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte zwischen 1950 und 1952 auf Kriegsschutt. Damit reiht sich das Böllenfalltor in die Gruppe jener Anlagen ein, die aus dem Material des Krieges entstanden — Augsburg 1951, Kassel und Hamburg 1953, Hannover 1954, Leipzig ab 1955.
Der Untergrund hat Folgen bis heute: Er begrenzt die bauliche Erweiterbarkeit.
Wie Ligaauflagen das Stadion veränderten
Zweimal schrieben Verbandsvorgaben unmittelbar in die Bausubstanz:
- Sommer 1978 — für die Bundesligateilnahme musste die Kapazität nach DFB-Statuten auf 30.000 Zuschauer erhöht werden.
- 1981 — eine Auflage zum Aufstieg verlangte eine Flutlichtanlage, installiert für 1,8 Millionen Mark. Sie ist eines der wenigen erhaltenen Teile des alten Stadions und bis heute identitätsstiftend.
Später kam die Aufrüstung des Flutlichts von 400 auf 800 Lux für die 3. Liga dazu. Das Muster kehrt im Ligaarchiv regelmäßig wieder — in Halberstadt, Elversberg und Cottbus.
Die Kapazitätsangaben
- rund 8.000 in den zwanziger Jahren
- 25.000 nach dem Wiederaufbau
- 30.000 als DFB-Vorgabe ab 1978
- rund 19.000 vor dem Umbau, davon 4.000 überdachte Sitzplätze
- 17.810 seit März 2023
Eine Eigenheit des Standorts: Wegen der Nähe zu einem Wohngebiet stehen nur rund 400 Parkplätze zur Verfügung.
Ein Name, der für ein Jahr zurücktrat
Seit 2014 trägt die Anlage einen Sponsorennamen. Für die Bundesligasaison 2016/17 geschah jedoch etwas, das im Ligaarchiv einmalig ist: Der Sponsor verzichtete für diese Zeit auf sein Namensrecht, um den 2016 verstorbenen Darmstädter Fußballfan Jonathan Heimes zu würdigen. Das Stadion hieß in dieser Saison Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor; seit 2017/18 trägt die Südtribüne seinen Namen.
Häufige Fragen zum Stadion am Böllenfalltor
Wie viele Zuschauer fasst das Böllenfalltor?
17.810 seit März 2023. Vor dem Umbau waren es rund 19.000.
Wann wurde das Stadion eröffnet?
Am 24. Juli 1921, mit einem 4:1 gegen Helvetia Frankfurt.
Worauf wurde das Stadion wiederaufgebaut?
Zwischen 1950 und 1952 auf Kriegsschutt. Das begrenzt die Erweiterbarkeit bis heute.
Warum gibt es die Flutlichtanlage?
Sie war 1981 eine DFB-Auflage zum Bundesligaaufstieg und kostete 1,8 Millionen Mark. Sie ist eines der wenigen erhaltenen Teile des alten Stadions.
Warum hieß das Stadion 2016/17 anders?
Der Namenssponsor verzichtete für eine Saison auf sein Recht, um den verstorbenen Fan Jonathan Heimes zu würdigen.
Wie viele Parkplätze gibt es?
Rund 400 — wegen der Nähe zu einem Wohngebiet.
Quellen: Stadion am Böllenfalltor bei Wikidata (CC0) (abgerufen 2026-09-11) · Stadion am Böllenfalltor, Wikipedia (abgerufen 2026-09-11) · Stadionhistorie, sv98.de (abgerufen 2026-09-11) · Merck-Stadion am Böllenfalltor, English Wikipedia (abgerufen 2026-09-11)
Zuletzt geprüft: durch die Ligaarchiv-Redaktion.