Ligaarchiv

Regionen / Sachsen

Bruno-Plache-Stadion: Die älteste Holztribüne im deutschen Fußball

Das Bruno-Plache-Stadion in Leipzig-Probstheida wurde 1922 als größtes vereinseigenes Stadion Deutschlands eröffnet. Seine überdachte Holztribüne von 1932 ist bis heute in Betrieb und weitgehend im Originalzustand erhalten.

Illustrierte lange Holztribüne mit Laufbahn und Baumreihe, Bruno-Plache-Stadion in Leipzig
KI-generierte Illustration. Kein Bezug zu einem realen Bauwerk.

Das größte vereinseigene Stadion Deutschlands, 1922

Ende 1920 erwarb der VfB Leipzig 80.000 Quadratmeter Gutsbesitz in Probstheida und ließ dort ein Stadion für 40.000 Zuschauer errichten — in Deutschland bis dahin ohne Beispiel. Es gab eine kleine Tribüne mit 800 Plätzen, eine Laufbahn um das Spielfeld und einen Zuschauerwall aus Gras.

Eingeweiht wurde mit einer Festwoche vom 5. bis 13. August 1922. Zur Premiere kamen 50.000 Zuschauer. Noch in derselben Woche ließ der DFB hier das zweite Endspiel der nie entschiedenen deutschen Meisterschaft zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem Hamburger SV austragen, vor 50.000 bis 60.000 Zuschauern.

Offiziell hieß die Anlage bis 1949 Probstheidaer Stadion, in den Medien meist VfB-Stadion. Den heutigen Namen trägt sie seit 1949 nach dem Arbeitersportfunktionär Bruno Plache.

Die Holztribüne von 1932

1932 wurde die überdachte Holztribüne ausgebaut, die einen Großteil der Westgerade einnimmt. Sie ist bis heute in Betrieb und weitgehend im Originalzustand erhalten — wahrscheinlich die größte im Originalzustand erhaltene und noch genutzte Holztribüne eines deutschen Fußballstadions aus jener Zeit.

Im selben Jahr wurden die Dämme verbreitert, Voraussetzung für das Länderspiel gegen die Schweiz am 6. März 1932 vor 50.000 Zuschauern. In der Nacht zum 17. Februar 1935 zerstörte ein Unwetter Teile der Tribüne und das Südtor.

Damit steht dieses Stadion neben dem Stadion auf der Waldau in Stuttgart, dem ältesten noch bespielten Fußballstadion Deutschlands. Dort verschwand die Holztribüne von 1924 im Jahr 1997, hier steht sie noch.

April 1945

Nach dem Luftangriff vom 6. April 1945 wurden gesammelte Tote ohne Särge auf dem Sportplatz abgelegt, weil auf dem Südfriedhof kein Platz mehr war. Sie lagen dort viele Tage.

Das Ligaarchiv führt diesen Abschnitt, weil er zur Geschichte des Ortes gehört. Er steht neben dem, was andere Seiten dieses Bestands über dieselben Jahre verzeichnen: In Leipzig wurde wenige Jahre später ein Stadion aus dem Schutt derselben Angriffe gebaut, in Hamburg, Kassel und Augsburg ebenso.

Die großen Spiele fanden woanders statt

Eine Eigenheit zieht sich durch die Geschichte: Für die wichtigsten Partien wich der Verein regelmäßig ins größere Zentralstadion aus. Der Halbfinalsieg im Europapokal 1987 gegen Girondins Bordeaux, der Höhepunkt der Vereinsgeschichte, wurde deshalb nicht in Probstheida gefeiert, sondern zehn Kilometer entfernt.

Auch nach der Wende, als der Verein als VfB Leipzig in der Bundesliga spielte, wich er aus — das Bruno-Plache-Stadion entsprach den Sicherheitsanforderungen des DFB nicht. Die Mängel wurden in den neunziger Jahren behoben.

Die Kapazitätsangaben

  • 40.000 geplant beim Bau 1922
  • 50.000 bis 60.000 bei den großen Spielen der zwanziger und dreißiger Jahre
  • 55.000 am 7. Mai 1952, als das Stadion Etappenziel der Friedensfahrt war
  • 12.300 bis 15.600 in heutigen Übersichten
  • 7.000 als zeitweise zugelassene Zahl

Wie beim Alfred-Kunze-Sportpark und im Sportforum Hohenschönhausen ist der niedrigste Wert keine bauliche, sondern eine behördliche Grenze.

Häufige Fragen zum Bruno-Plache-Stadion

Wie viele Zuschauer fasst das Bruno-Plache-Stadion?

Die Angaben reichen von 12.300 bis 15.600; zeitweise waren nur 7.000 zugelassen. Geplant war es 1922 für 40.000.

Was ist an der Holztribüne besonders?

Die 1932 ausgebaute überdachte Holztribüne ist noch in Betrieb und weitgehend im Originalzustand — wahrscheinlich die größte erhaltene ihrer Art in Deutschland.

Wann wurde das Stadion eröffnet?

Mit einer Festwoche vom 5. bis 13. August 1922. Zur Premiere kamen 50.000 Zuschauer.

Woher kommt der Name?

Von Bruno Plache, einem Arbeitersportfunktionär. Bis 1949 hieß die Anlage Probstheidaer Stadion.

Warum fanden die großen Spiele nicht hier statt?

Für wichtige Partien wich der Verein ins größere Zentralstadion aus, darunter das Europapokal-Halbfinale 1987 gegen Bordeaux.

Was geschah hier 1945?

Nach dem Luftangriff vom 6. April 1945 wurden Tote auf dem Sportplatz abgelegt, weil auf dem Südfriedhof kein Platz mehr war.

Welcher Verein spielt hier?

Der 1. FC Lokomotive Leipzig.

Quellen: Bruno-Plache-Stadion bei Wikidata (CC0) (abgerufen 2026-09-04) · Bruno-Plache-Stadion, Wikipedia (abgerufen 2026-09-04) · Stadion, lok-leipzig.com (abgerufen 2026-09-04) · Bruno-Plache-Stadion, 11km.de (abgerufen 2026-09-04)

Zuletzt geprüft: durch die Ligaarchiv-Redaktion.

Fehler gefunden? Korrektur an team@ligaarchiv.de melden