Ligen / Regionalliga Nordost / Sachsen
1. FC Lokomotive Leipzig: Geschichte und Traditionsfrage
Der 1. FC Lokomotive Leipzig spielt im Bruno-Plache-Stadion in Probstheida. Der heutige Verein wurde am 10. Dezember 2003 von Fans neu gegründet, während der VfB Leipzig in die Insolvenz ging, und führt die Tradition eines der erfolgreichsten DDR-Klubs fort.
Geschichte in Epochen
VfB Leipzig und die Vorkriegszeit
Die Traditionslinie des 1. FC Lokomotive Leipzig beginnt bei den 1893 gegründeten Sportbrüdern Leipzig und beim VfB Leipzig, der 1896 aus der Fußballabteilung eines Turnvereins hervorging. Beide schlossen sich 1898 zusammen. Der VfB Leipzig gehörte 1900 zu den Gründungsvereinen des Deutschen Fußball-Bundes und gewann 1903 die erste deutsche Meisterschaft, zwei weitere Titel folgten. 1945 wurde der Verein wie alle ostdeutschen Sportvereine zwangsweise aufgelöst.
Der 1. FC Lok in der DDR
An derselben Spielstätte in Probstheida entstand die SG Probstheida, aus der nach mehreren Umbenennungen 1966 der 1. FC Lokomotive Leipzig hervorging. In den 1970er und 1980er Jahren gehörte der Klub zu den erfolgreichsten der DDR-Oberliga: vier FDGB-Pokalsiege zwischen 1976 und 1987, dreimal Vizemeister, dazu ein Sieg im Intertoto-Wettbewerb 1966. International war Lok eine feste Größe mit mehr als siebzig Europapokalspielen, dem UEFA-Cup-Halbfinale 1974 und dem Finale im Europapokal der Pokalsieger 1987.
Umbenennung, Bundesliga und Niedergang
1991 benannte sich der Klub in VfB Leipzig um, um an die Vorkriegserfolge anzuknüpfen. Es folgte eine Saison in der Bundesliga 1993/94 und danach ein Abstieg nach dem anderen. Eine erste Insolvenz fiel in die Spielzeit 1999/2000, im Jahr 2000 ging es in die Oberliga Nordost. Ein zweites Insolvenzverfahren führte 2004 zur Auflösung des Vereins und zur Streichung aus dem Vereinsregister.
Neugründung 2003 und der Weg zurück
Am 10. Dezember 2003, während der VfB Leipzig auf die zweite Insolvenz zulief, gründeten elf Anhänger den 1. FC Lokomotive Leipzig neu. Der neue Verein übernahm die Frauen- und Nachwuchsabteilungen und musste mit der ersten Herrenmannschaft in der untersten Spielklasse beginnen. In den ersten drei Jahren gewann Lok dreimal in Folge seine Staffel und arbeitete sich über Kreisklasse, Bezirksklasse und Bezirksliga nach oben.
Die Traditionsfrage und wie das Ligaarchiv damit umgeht
Ob der heutige 1. FC Lokomotive Leipzig die Titel des VfB Leipzig führen darf, ist umstritten. Der Verein selbst versteht sich als Fortsetzung der Traditionslinie, und der Insolvenzverwalter des VfB betrieb eine Verschmelzung beider Vereine, durch die Lok einen Meisterstern für die drei Meisterschaften erhalten hätte. Dagegen wird eingewandt, der 1903 siegreiche VfB habe 1945 aufgehört zu existieren und der heutige Verein sei eine Neugründung von 2003 mit eigenem Rechtsträger.
Das Ligaarchiv entscheidet diesen Streit nicht, sondern legt seine eigene Rechenregel offen. Für den Traditionsindex gilt der Fall als Neugründung: Das Vereinsalter wird geerbt, weil es eine Fußballkultur am Ort beschreibt, die weiterlebt. Titel, Spielklassenhistorie und Pokalpräsenz des Vorgängers werden nicht angerechnet, weil der heutige Rechtsträger sie nicht errungen hat. Auf dieser Seite steht die Vorgeschichte trotzdem vollständig, mit klarer Kennzeichnung des Bruchs.
Ligahistorie
Die folgende Übersicht erfasst die Spielzeiten in der DDR-Oberliga von 1966/67 bis 1990/91, jede Zeile mit Quelle und Abrufdatum. Erfasst sind die DDR-Oberliga ab 1966/67, die Zweitliga- und Bundesligajahre unter dem Namen VfB Leipzig sowie die Spielzeiten seit der Rückkehr in die Regionalliga. Die Vorkriegszeit als VfB Leipzig und die Aufstiegsjahre von 2004 bis 2008 in Kreis- und Bezirksklassen werden nachgetragen.
Im Ligaarchiv sind für 1. FC Lokomotive Leipzig seit 1947 31 Saisons auf Ebene 1, 5 Saisons auf Ebene 2, 13 Saisons auf Ebene 4 erfasst. Die jüngste erfasste erstklassige Spielzeit war 1993/94. Aktuell wird die Saison 2026/27 in der Regionalliga Nordost geführt. Erfasst sind Bundesliga, 2. Bundesliga, 3. Liga, die Regionalligastaffeln und die Ligen des DDR-Fußballs; Landes- und Verbandsligen werden nachgetragen.
| Saison | Liga | Ebene | Platz | Ereignis |
|---|---|---|---|---|
| 2026/27 | Regionalliga Nordost | 4 | — | laufend |
| 2025/26 | Regionalliga Nordost | 4 | 1 | |
| 2024/25 | Regionalliga Nordost | 4 | 1 | |
| 2023/24 | Regionalliga Nordost | 4 | 10 | |
| 2022/23 | Regionalliga Nordost | 4 | 4 | |
| 2021/22 | Regionalliga Nordost | 4 | 6 | |
| 2020/21 | Regionalliga Nordost | 4 | 6 | |
| 2019/20 | Regionalliga Nordost | 4 | 2 | |
| 2018/19 | Regionalliga Nordost | 4 | 6 | |
| 2017/18 | Regionalliga Nordost | 4 | 6 | |
| 2016/17 | Regionalliga Nordost | 4 | 10 | |
| 2013/14 | Regionalliga Nordost | 4 | 15 | |
| 2012/13 | Regionalliga Nordost | 4 | 10 | |
| 1997/98 | 2. Bundesliga | 2 | 15 | |
| 1996/97 | 2. Bundesliga | 2 | 8 | |
| 1995/96 | 2. Bundesliga | 2 | 9 | |
| 1994/95 | 2. Bundesliga | 2 | 13 | |
| 1993/94 | Bundesliga | 1 | 18 | |
| 1992/93 | 2. Bundesliga | 2 | 3 | |
| 1990/91 | DDR-Oberliga | 1 | 7 | |
| 1989/90 | DDR-Oberliga | 1 | 8 | |
| 1988/89 | DDR-Oberliga | 1 | 5 | |
| 1987/88 | DDR-Oberliga | 1 | 2 | |
| 1986/87 | DDR-Oberliga | 1 | 3 | |
| 1985/86 | DDR-Oberliga | 1 | 2 | |
| 1984/85 | DDR-Oberliga | 1 | 3 | |
| 1983/84 | DDR-Oberliga | 1 | 3 | |
| 1982/83 | DDR-Oberliga | 1 | 4 | |
| 1981/82 | DDR-Oberliga | 1 | 3 | |
| 1980/81 | DDR-Oberliga | 1 | 6 | |
| 1979/80 | DDR-Oberliga | 1 | 6 | |
| 1978/79 | DDR-Oberliga | 1 | 5 | |
| 1977/78 | DDR-Oberliga | 1 | 4 | |
| 1976/77 | DDR-Oberliga | 1 | 5 | |
| 1975/76 | DDR-Oberliga | 1 | 4 | |
| 1974/75 | DDR-Oberliga | 1 | 8 | |
| 1973/74 | DDR-Oberliga | 1 | 5 | |
| 1972/73 | DDR-Oberliga | 1 | 4 | |
| 1971/72 | DDR-Oberliga | 1 | 8 | |
| 1970/71 | DDR-Oberliga | 1 | 10 | |
| 1968/69 | DDR-Oberliga | 1 | 14 | |
| 1967/68 | DDR-Oberliga | 1 | 5 | |
| 1966/67 | DDR-Oberliga | 1 | 2 | |
| 1965/66 | DDR-Oberliga | 1 | 3 | |
| 1964/65 | DDR-Oberliga | 1 | 4 | |
| 1963/64 | DDR-Oberliga | 1 | 3 | |
| 1962/63 | DDR-Oberliga | 1 | 9 | |
| 1961/62 | DDR-Oberliga | 1 | 8 | |
| 1954/55 | DDR-Oberliga | 1 | 3 |
Erfolge
| Wettbewerb | Anzahl |
|---|---|
| FDGB-Pokal | 4 |
| Endspiel- und Finalteilnahmen ohne Titel | 4 |
Der FDGB-Pokal war der Pokalwettbewerb der DDR. Diese Titel wurden vom 1966 gegründeten Verein errungen. Für den Traditionsindex werden sie dem heutigen Rechtsträger nach der Erbregel für Neugründungen nicht angerechnet; auf dieser Seite stehen sie vollständig.
Bruno-Plache-Stadion
Der Verein trägt seine Heimspiele im Bruno-Plache-Stadion im Leipziger Stadtteil Probstheida aus, an derselben Stelle, an der schon der VfB Leipzig spielte. Bei besonders nachgefragten Partien weicht der Klub gelegentlich in die Red Bull Arena aus.
Derbys und Rivalitäten
Das Leipziger Stadtderby gegen die BSG Chemie Leipzig, das Leipziger Stadtderby, ist die schärfste Rivalität des Vereins und geht auf die Zeit der DDR-Oberliga zurück. Hinzugekommen ist in den vergangenen Jahren die Abgrenzung gegenüber dem 2009 gegründeten Leipziger Bundesligisten, die in der Fanszene stark ausgeprägt ist.
Häufige Fragen zum 1. FC Lokomotive Leipzig
Wann wurde der 1. FC Lokomotive Leipzig gegründet?
Der heutige Verein wurde am 10. Dezember 2003 neu gegründet. Die von ihm geführte Traditionslinie reicht über den 1966 gegründeten 1. FC Lokomotive Leipzig bis zum VfB Leipzig und den Sportbrüdern von 1893 zurück.
War Lok Leipzig deutscher Meister?
Die drei Meisterschaften von 1903, 1906 und 1913 gewann der VfB Leipzig. Ob der heutige Verein sie führen darf, ist umstritten; das Ligaarchiv rechnet sie ihm im Traditionsindex nicht an.
In welchem Stadion spielt Lok Leipzig?
Im Bruno-Plache-Stadion in Leipzig-Probstheida.
Was war der größte Erfolg in der DDR-Zeit?
Das Finale im Europapokal der Pokalsieger 1987. Dazu kommen vier FDGB-Pokalsiege zwischen 1976 und 1987 und drei Vizemeisterschaften in der DDR-Oberliga.
Warum musste Lok Leipzig 2004 ganz unten anfangen?
Weil der neu gegründete Verein kein Startrecht des VfB Leipzig übernehmen konnte. Er begann deshalb in der untersten Spielklasse und stieg in den ersten drei Jahren dreimal in Folge auf.
Wer ist der Rivale von Lok Leipzig?
Die BSG Chemie Leipzig im Leipziger Stadtderby.
Welche Vereinsfarben hat Lok Leipzig?
Blau und Gelb.
Was geschah mit dem VfB Leipzig?
Der VfB Leipzig wurde nach dem zweiten Insolvenzverfahren im April 2004 aufgelöst und aus dem Vereinsregister gestrichen. Frauen- und Nachwuchsabteilungen übernahm der ein Jahr zuvor gegründete 1. FC Lokomotive Leipzig.
Weitere Vereine der Regionalliga Nordost
Alle Vereine dieser Staffel mit eigener Seite im Ligaarchiv, geordnet nach dem Traditionsindex.
- FC Carl Zeiss Jena
- FC Erzgebirge Aue
- BFC Dynamo
- FSV Zwickau
- Chemnitzer FC
- FC Rot-Weiß Erfurt
- VFC Plauen
- SV Babelsberg 03
- Berliner AK 07
- FC Viktoria 1889 Berlin
- VfB Germania Halberstadt
- FSV Optik Rathenow
- SV Tasmania Berlin
- FC Oberlausitz Neugersdorf
- ZFC Meuselwitz
- TSG Neustrelitz
- BSG Chemie Leipzig
- Hertha BSC II
- RB Leipzig II
- Torgelower FC Greif
Zur Staffelseite Regionalliga Nordost
Quellen: 1. FC Lokomotive Leipzig bei Wikidata (CC0) (abgerufen 2026-09-04) · 1. FC Lokomotive Leipzig, Wikipedia (abgerufen 2026-09-04) · Vereinshistorie, lok-leipzig.com (abgerufen 2026-09-04) · 1. FC Lokomotive Leipzig, Bildlexikon Leipzig (abgerufen 2026-09-04)
Zuletzt geprüft: durch die Ligaarchiv-Redaktion.