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BSG Chemie LeipzigDer Rest von Leipzig und die Meisterschaft 1964

4. Liga · Regionalliga Nordost Von Hannes Nagel · geprüft am 2. 10. 2026

Geschichte in Epochen

Der Rest von Leipzig

Die 1950 gegründete Betriebssportgemeinschaft Chemie Leipzig gewann gleich im ersten Jahr ihres Bestehens die DDR-Meisterschaft der Saison 1950/51. Ihren Ruf verdankt sie aber einem späteren Vorgang: Als die Leipziger Spitzenkräfte 1963 im neuen SC Leipzig gebündelt wurden, blieb in Leutzsch zurück, was die Funktionäre nicht brauchten. Die Presse nannte diese Mannschaft den Rest von Leipzig.

Die Meisterschaft 1964

Genau dieser Rest gewann unter Trainer Alfred Kunze die Meisterschaft der Saison 1963/64. Vor dem letzten Spieltag genügte ein Punkt in Erfurt; rund 10.000 Leipziger reisten am 10. Mai 1964 mit, nach dreizehn Minuten stand es 2:0, und dabei blieb es. Es war die größte Überraschung in der Geschichte der DDR-Oberliga. Die Meisterelf steht bis heute lebensgroß in Beton gegossen im Alfred-Kunze-Sportpark. In jener Saison kamen im Schnitt 20.461 Zuschauer nach Leutzsch, mehr als doppelt so viele wie zum SC Leipzig. 1966 folgte der Sieg im FDGB-Pokal.

Fusion, Auflösung, Neugründung

Nach 1990 brach das System der Betriebssportgemeinschaften zusammen. Die BSG Chemie fusionierte am 1. August 1990 mit Chemie Böhlen zum FC Sachsen Leipzig, der weiter in Leutzsch spielte und sich 2011 auflöste. Bereits am 16. Juli 1997 hatten Anhänger des FC Sachsen eine neue BSG Chemie Leipzig gegründet, zunächst als Fördergemeinschaft zum Schutz von Namen und Marke. Nach dem Ende des FC Sachsen wurde aus dieser Gründung der sportliche Nachfolger; von der Bezirksliga arbeitete sich der Verein zurück bis in die Regionalliga Nordost.

Die Nachfolgefrage und wie das Ligaarchiv damit umgeht

Die heutige BSG Chemie Leipzig versteht sich als legitime Nachfolgerin der BSG von 1950. Rechtlich ist sie ein eigener, 1997 gegründeter Verein; dazwischen liegen die Fusion zum FC Sachsen Leipzig 1990 und dessen Auflösung 2011.

Für den Traditionsindex gilt der Fall deshalb als Neugründung: Das Vereinsalter wird geerbt, weil es eine Fußballkultur in Leutzsch beschreibt, die weiterlebt. Die Meisterschaften von 1951 und 1964, der Pokalsieg und die Spielklassenhistorie der Vorgängerinnen werden dem heutigen Rechtsträger nicht angerechnet. Auf dieser Seite steht die Vorgeschichte vollständig, mit klarer Kennzeichnung des Bruchs. Dasselbe Verfahren wenden wir beim 1. FC Lokomotive Leipzig an, dem anderen Leipziger Fall dieser Art.

Ligahistorie

Erfasst sind die Spielzeiten der DDR-Oberliga, die noch die Vorgängerin von 1950 bestritt, sowie die Jahrgänge der Regionalliga Nordost, die auf den heutigen Verein entfallen.

1950/512026/27
2026/274. LigaRegionalliga Nordost
Eine Säule je erfasster Spielzeit, je höher, desto höher die Liga. Lücken sind noch nicht belegte Jahre.
Ligazugehörigkeit Saison für Saison, erzeugt aus dem Datenbestand des Ligaarchivs.
SaisonLigaStufePlatzEreignis
2026/27Regionalliga Nordost4. Liga—laufend
2025/26Regionalliga Nordost4. Liga13laufend
2024/25Regionalliga Nordost4. Liga14
2023/24Regionalliga Nordost4. Liga8
2022/23Regionalliga Nordost4. Liga7
2021/22Regionalliga Nordost4. Liga9
2020/21Regionalliga Nordost4. Liga3
2019/20Regionalliga Nordost4. Liga12
2018/19Oberliga Nordost5. Liga1
2017/18Regionalliga Nordost4. Liga16
2016/17Oberliga Nordost5. Liga1
1984/85DDR-Oberliga1. Liga13
1983/84DDR-Oberliga1. Liga12
1979/80DDR-Oberliga1. Liga14
1975/76DDR-Oberliga1. Liga13
1973/74DDR-Oberliga1. Liga13
1972/73DDR-Oberliga1. Liga9
1970/71DDR-Oberliga1. Liga14
1969/70DDR-Oberliga1. Liga4
1968/69DDR-Oberliga1. Liga6
1967/68DDR-Oberliga1. Liga12
1966/67DDR-Oberliga1. Liga12
1965/66DDR-Oberliga1. Liga8
1964/65DDR-Oberliga1. Liga3
1963/64DDR-Oberliga1. Liga1
1953/54DDR-Oberliga1. Liga2
1952/53DDR-Oberliga1. Liga8
1951/52DDR-Oberliga1. Liga3
1950/51DDR-Oberliga1. Liga1

Für 1 von 29 Spielzeiten ist die Abschlussplatzierung noch nicht belegt. Sie wird nachgetragen, nicht geschätzt.

Saisondaten zusammengetragen aus: de.wikipedia.org. Enthält Angaben aus Wikipedia, verfügbar unter der Lizenz CC BY-SA 4.0.

Erfolge

WettbewerbAnzahl
DDR-Meisterschaft2
FDGB-Pokal1
Endspiel- und Finalteilnahmen ohne Titel1

Diese Titel wurden von der 1950 gegründeten Betriebssportgemeinschaft errungen. Für den Traditionsindex werden sie dem heutigen Verein nach der Erbregel für Neugründungen nicht angerechnet.

Alfred-Kunze-Sportpark

Die Anlage in Leutzsch liegt zwischen dem S-Bahnhof Leipzig-Leutzsch und dem Auwald und trug bis in die neunziger Jahre den Namen Georg-Schwarz-Sportpark. Der heutige Name geht auf einen Vorschlag aus der Fanszene zurück und ehrt den Meistertrainer von 1964.

Die Kapazitätsangaben liegen weit auseinander, und das hat einen nachvollziehbaren Grund. In den fünfziger Jahren fasste die Anlage bis zu 30.000 Besucher, der Zuschauerrekord stammt von 1950 mit 32.000 beim Spiel gegen Turbine Erfurt. Heute ist die Kapazität durch Auflagen des Ordnungsamtes auf 4.999 Zuschauer begrenzt. Wikidata führt 20.000, ein Wert, der weder zur historischen noch zur heutigen Anlage passt. Das Ligaarchiv nennt die zugelassene Zahl und weist die übrigen hier aus.

Derbys und Rivalitäten

Das Leipziger Stadtderby gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig geht auf die Zeit der DDR-Oberliga zurück und ist bis heute die schärfste Begegnung. In der Regionalliga Nordost kommen die Spiele gegen die sächsischen und thüringischen Traditionsvereine hinzu.

Häufige Fragen zur BSG Chemie Leipzig

Warum hieß Chemie Leipzig der Rest von Leipzig?

Weil 1963 die besten Leipziger Spieler im neuen SC Leipzig zusammengezogen wurden und in Leutzsch nur zurückblieb, was die Funktionäre nicht brauchten. Diese Mannschaft gewann ein Jahr später die Meisterschaft.

Wann war Chemie Leipzig DDR-Meister?

1951 und 1964. Der Titel von 1964 gilt als größte Überraschung in der Geschichte der DDR-Oberliga.

Ist die heutige BSG Chemie derselbe Verein?

Rechtlich nicht. Der heutige Verein wurde am 16. Juli 1997 gegründet, die Vorgängerin ging 1990 im FC Sachsen Leipzig auf, der sich 2011 auflöste. Der Verein versteht sich als legitime Nachfolgerin.

Wie viele Zuschauer fasst der Alfred-Kunze-Sportpark?

Derzeit 4.999, begrenzt durch Auflagen des Ordnungsamtes. In den fünfziger Jahren waren es bis zu 30.000.

Wer war Alfred Kunze?

Der Trainer der Meistermannschaft von 1964. Der Sportpark in Leutzsch trägt seit den neunziger Jahren seinen Namen.

Hat Chemie Leipzig den FDGB-Pokal gewonnen?

Ja, 1966, ebenfalls unter dem Namen BSG Chemie Leipzig.

Wer ist der Rivale der BSG Chemie Leipzig?

Der 1. FC Lokomotive Leipzig im Leipziger Stadtderby.

Weitere Vereine der Regionalliga Nordost

Alle Vereine dieser Staffel mit eigener Seite im Ligaarchiv, geordnet nach dem Traditionsindex.

Zur Staffelseite Regionalliga Nordost

Quellen: BSG Chemie Leipzig (1997) bei Wikidata (CC0) (abgerufen 2026-09-04) · BSG Chemie Leipzig (1997), Wikipedia (abgerufen 2026-09-04) · BSG Chemie Leipzig (1950), Wikipedia (abgerufen 2026-09-04) · Alfred-Kunze-Sportpark, Wikipedia (abgerufen 2026-09-04) · Historie, chemie-leipzig.de (abgerufen 2026-09-04)

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Vereine und Staffeln

Hannes Nagel

Schreibt über die Vereine der Regional- und Oberligen und betreut die Staffelseiten. Fan von Borussia Dortmund, was ihn beim Blick auf die vierte Ebene nicht neutral macht. Seiten, die den eigenen Verein berühren, liest vor der Veröffentlichung jemand anderes gegen.

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