Ligen / Regionalliga Nordost / Sachsen
BSG Chemie Leipzig: Der Rest von Leipzig und die Meisterschaft 1964
Die BSG Chemie Leipzig aus Leutzsch führt die Tradition des DDR-Meisters von 1951 und 1964 fort. Der heutige Verein wurde 1997 von Anhängern gegründet und spielt im Alfred-Kunze-Sportpark.
Geschichte in Epochen
Der Rest von Leipzig
Die 1950 gegründete Betriebssportgemeinschaft Chemie Leipzig gewann gleich im ersten Jahr ihres Bestehens die DDR-Meisterschaft der Saison 1950/51. Ihren Ruf verdankt sie aber einem späteren Vorgang: Als die Leipziger Spitzenkräfte 1963 im neuen SC Leipzig gebündelt wurden, blieb in Leutzsch zurück, was die Funktionäre nicht brauchten. Die Presse nannte diese Mannschaft den Rest von Leipzig.
Die Meisterschaft 1964
Genau dieser Rest gewann unter Trainer Alfred Kunze die Meisterschaft der Saison 1963/64. Vor dem letzten Spieltag genügte ein Punkt in Erfurt; rund 10.000 Leipziger reisten am 10. Mai 1964 mit, nach dreizehn Minuten stand es 2:0, und dabei blieb es. Es war die größte Überraschung in der Geschichte der DDR-Oberliga. Die Meisterelf steht bis heute lebensgroß in Beton gegossen im Alfred-Kunze-Sportpark. In jener Saison kamen im Schnitt 20.461 Zuschauer nach Leutzsch, mehr als doppelt so viele wie zum SC Leipzig. 1966 folgte der Sieg im FDGB-Pokal.
Fusion, Auflösung, Neugründung
Nach 1990 brach das System der Betriebssportgemeinschaften zusammen. Die BSG Chemie fusionierte am 1. August 1990 mit Chemie Böhlen zum FC Sachsen Leipzig, der weiter in Leutzsch spielte und sich 2011 auflöste. Bereits am 16. Juli 1997 hatten Anhänger des FC Sachsen eine neue BSG Chemie Leipzig gegründet, zunächst als Fördergemeinschaft zum Schutz von Namen und Marke. Nach dem Ende des FC Sachsen wurde aus dieser Gründung der sportliche Nachfolger; von der Bezirksliga arbeitete sich der Verein zurück bis in die Regionalliga Nordost.
Die Nachfolgefrage und wie das Ligaarchiv damit umgeht
Die heutige BSG Chemie Leipzig versteht sich als legitime Nachfolgerin der BSG von 1950. Rechtlich ist sie ein eigener, 1997 gegründeter Verein; dazwischen liegen die Fusion zum FC Sachsen Leipzig 1990 und dessen Auflösung 2011.
Für den Traditionsindex gilt der Fall deshalb als Neugründung: Das Vereinsalter wird geerbt, weil es eine Fußballkultur in Leutzsch beschreibt, die weiterlebt. Die Meisterschaften von 1951 und 1964, der Pokalsieg und die Spielklassenhistorie der Vorgängerinnen werden dem heutigen Rechtsträger nicht angerechnet. Auf dieser Seite steht die Vorgeschichte vollständig, mit klarer Kennzeichnung des Bruchs. Dasselbe Verfahren wenden wir beim 1. FC Lokomotive Leipzig an, dem anderen Leipziger Fall dieser Art.
Ligahistorie
Erfasst sind die Spielzeiten der DDR-Oberliga, die noch die Vorgängerin von 1950 bestritt, sowie die Jahrgänge der Regionalliga Nordost, die auf den heutigen Verein entfallen.
Im Ligaarchiv sind für BSG Chemie Leipzig seit 1947 18 Saisons auf Ebene 1, 9 Saisons auf Ebene 4 erfasst. Die jüngste erfasste erstklassige Spielzeit war 1984/85. Aktuell wird die Saison 2026/27 in der Regionalliga Nordost geführt. Erfasst sind Bundesliga, 2. Bundesliga, 3. Liga, die Regionalligastaffeln und die Ligen des DDR-Fußballs; Landes- und Verbandsligen werden nachgetragen.
| Saison | Liga | Ebene | Platz | Ereignis |
|---|---|---|---|---|
| 2026/27 | Regionalliga Nordost | 4 | — | laufend |
| 2025/26 | Regionalliga Nordost | 4 | 13 | |
| 2024/25 | Regionalliga Nordost | 4 | 14 | |
| 2023/24 | Regionalliga Nordost | 4 | 8 | |
| 2022/23 | Regionalliga Nordost | 4 | 7 | |
| 2021/22 | Regionalliga Nordost | 4 | 9 | |
| 2020/21 | Regionalliga Nordost | 4 | 3 | |
| 2019/20 | Regionalliga Nordost | 4 | 12 | |
| 2017/18 | Regionalliga Nordost | 4 | 16 | |
| 1984/85 | DDR-Oberliga | 1 | 13 | |
| 1983/84 | DDR-Oberliga | 1 | 12 | |
| 1979/80 | DDR-Oberliga | 1 | 14 | |
| 1975/76 | DDR-Oberliga | 1 | 13 | |
| 1973/74 | DDR-Oberliga | 1 | 13 | |
| 1972/73 | DDR-Oberliga | 1 | 9 | |
| 1970/71 | DDR-Oberliga | 1 | 14 | |
| 1969/70 | DDR-Oberliga | 1 | 4 | |
| 1968/69 | DDR-Oberliga | 1 | 6 | |
| 1967/68 | DDR-Oberliga | 1 | 12 | |
| 1966/67 | DDR-Oberliga | 1 | 12 | |
| 1965/66 | DDR-Oberliga | 1 | 8 | |
| 1964/65 | DDR-Oberliga | 1 | 3 | |
| 1963/64 | DDR-Oberliga | 1 | 1 | |
| 1953/54 | DDR-Oberliga | 1 | 2 | |
| 1952/53 | DDR-Oberliga | 1 | 8 | |
| 1951/52 | DDR-Oberliga | 1 | 3 | |
| 1950/51 | DDR-Oberliga | 1 | 1 |
Erfolge
| Wettbewerb | Anzahl |
|---|---|
| DDR-Meisterschaft | 2 |
| FDGB-Pokal | 1 |
| Endspiel- und Finalteilnahmen ohne Titel | 1 |
Diese Titel wurden von der 1950 gegründeten Betriebssportgemeinschaft errungen. Für den Traditionsindex werden sie dem heutigen Verein nach der Erbregel für Neugründungen nicht angerechnet.
Alfred-Kunze-Sportpark
Die Anlage in Leutzsch liegt zwischen dem S-Bahnhof Leipzig-Leutzsch und dem Auwald und trug bis in die neunziger Jahre den Namen Georg-Schwarz-Sportpark. Der heutige Name geht auf einen Vorschlag aus der Fanszene zurück und ehrt den Meistertrainer von 1964.
Die Kapazitätsangaben liegen weit auseinander, und das hat einen nachvollziehbaren Grund. In den fünfziger Jahren fasste die Anlage bis zu 30.000 Besucher, der Zuschauerrekord stammt von 1950 mit 32.000 beim Spiel gegen Turbine Erfurt. Heute ist die Kapazität durch Auflagen des Ordnungsamtes auf 4.999 Zuschauer begrenzt. Wikidata führt 20.000, ein Wert, der weder zur historischen noch zur heutigen Anlage passt. Das Ligaarchiv nennt die zugelassene Zahl und weist die übrigen hier aus.
Derbys und Rivalitäten
Das Leipziger Stadtderby gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig geht auf die Zeit der DDR-Oberliga zurück und ist bis heute die schärfste Begegnung. In der Regionalliga Nordost kommen die Spiele gegen die sächsischen und thüringischen Traditionsvereine hinzu.
Häufige Fragen zur BSG Chemie Leipzig
Warum hieß Chemie Leipzig der Rest von Leipzig?
Weil 1963 die besten Leipziger Spieler im neuen SC Leipzig zusammengezogen wurden und in Leutzsch nur zurückblieb, was die Funktionäre nicht brauchten. Diese Mannschaft gewann ein Jahr später die Meisterschaft.
Wann war Chemie Leipzig DDR-Meister?
1951 und 1964. Der Titel von 1964 gilt als größte Überraschung in der Geschichte der DDR-Oberliga.
Ist die heutige BSG Chemie derselbe Verein?
Rechtlich nicht. Der heutige Verein wurde am 16. Juli 1997 gegründet, die Vorgängerin ging 1990 im FC Sachsen Leipzig auf, der sich 2011 auflöste. Der Verein versteht sich als legitime Nachfolgerin.
Wie viele Zuschauer fasst der Alfred-Kunze-Sportpark?
Derzeit 4.999, begrenzt durch Auflagen des Ordnungsamtes. In den fünfziger Jahren waren es bis zu 30.000.
Wer war Alfred Kunze?
Der Trainer der Meistermannschaft von 1964. Der Sportpark in Leutzsch trägt seit den neunziger Jahren seinen Namen.
Hat Chemie Leipzig den FDGB-Pokal gewonnen?
Ja, 1966, ebenfalls unter dem Namen BSG Chemie Leipzig.
Wer ist der Rivale der BSG Chemie Leipzig?
Der 1. FC Lokomotive Leipzig im Leipziger Stadtderby.
Weitere Vereine der Regionalliga Nordost
Alle Vereine dieser Staffel mit eigener Seite im Ligaarchiv, geordnet nach dem Traditionsindex.
- FC Carl Zeiss Jena
- FC Erzgebirge Aue
- BFC Dynamo
- FSV Zwickau
- Chemnitzer FC
- FC Rot-Weiß Erfurt
- VFC Plauen
- SV Babelsberg 03
- Berliner AK 07
- FC Viktoria 1889 Berlin
- VfB Germania Halberstadt
- FSV Optik Rathenow
- SV Tasmania Berlin
- FC Oberlausitz Neugersdorf
- ZFC Meuselwitz
- 1. FC Lokomotive Leipzig
- TSG Neustrelitz
- Hertha BSC II
- RB Leipzig II
- Torgelower FC Greif
Zur Staffelseite Regionalliga Nordost
Quellen: BSG Chemie Leipzig (1997) bei Wikidata (CC0) (abgerufen 2026-09-04) · BSG Chemie Leipzig (1997), Wikipedia (abgerufen 2026-09-04) · BSG Chemie Leipzig (1950), Wikipedia (abgerufen 2026-09-04) · Alfred-Kunze-Sportpark, Wikipedia (abgerufen 2026-09-04) · Historie, chemie-leipzig.de (abgerufen 2026-09-04)
Zuletzt geprüft: durch die Ligaarchiv-Redaktion.