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Stadion An der Alten Försterei: 140.000 Arbeitsstunden von Fans

Das Stadion An der Alten Försterei in Berlin-Köpenick entstand 1920 und wurde zwischen 2008 und 2009 in weiten Teilen von den eigenen Fans umgebaut. Es fasst 22.012 Zuschauer, davon 18.395 Stehplätze.

Illustrierte niedrige Stehränge im Kiefernwald, Stadion An der Alten Försterei
KI-generierte Illustration. Kein Bezug zu einem realen Bauwerk.

Eröffnet 1920, benannt nach einem Forsthaus

Die Anlage im Südosten Berlins wurde am 7. August 1920 eröffnet — mit einem Spiel des amtierenden Berliner Meisters gegen den amtierenden deutschen Meister, den 1. FC Nürnberg, vor rund 7.000 Zuschauern. Nürnberg gewann 1:2.

Die Kapazität betrug damals 10.000 Plätze, davon 200 Sitzplätze. Ursprünglich hieß die Anlage Sportpark Sadowa; weil daneben ein Forsthaus namens Alte Försterei stand, setzte sich nach und nach der heutige Name durch. In diesem Forsthaus sitzt heute die Vereinsführung.

Trotz mehrerer Flakstellungen in der Umgebung blieb das Stadion im Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschädigt.

Der Kapazitätsverlauf

  • 10.000 bei der Eröffnung 1920
  • rund 15.000 nach dem Ausbau von Gegengerade und Sitzplatztribüne Ende der sechziger Jahre
  • 25.500 nach dem Ausbau zwischen 1979 und 1983
  • 22.012 heute: 18.395 Steh- und 3.617 Sitzplätze

Nach der Wende fehlten die Mittel für eine Sanierung; die Anlage galt als Fußballstätte mit nostalgischem Flair — eine freundliche Umschreibung für baulichen Verfall.

Sitze aus dem Olympiastadion

Im Jahr 2000 kamen eine Flutlichtanlage und eine Überdachung der Haupttribüne dazu. Ein Detail dabei ist im Ligaarchiv ein Kuriosum: Die neuen Schalensitze waren Restbestände aus dem Berliner Olympiastadion — dem Stadion des Stadtrivalen Hertha BSC, das zur selben Zeit umgebaut wurde.

Damit ist das der dritte Fall weiterwandernder Stadionausstattung im Bestand: Trier übernahm Videowandsegmente aus Hamburg, Aue eine Anzeigetafel aus Gelsenkirchen — und Köpenick die Sitze des Stadtrivalen.

140.000 Arbeitsstunden

Der Umbau der Saison 2008/09 ist der Grund, warum dieses Stadion über Berlin hinaus bekannt ist. Zwischen Juni 2008 und Juli 2009 wurden die Stehplatzränge vollständig saniert und überdacht — und die Arbeit leisteten zu einem erheblichen Teil die eigenen Anhänger:

Mehr als 2.300 freiwillige Helfer erbrachten rund 140.000 Arbeitsstunden, unbezahlt, in ihrer Freizeit oder in eigens genommenem Urlaub. Von 2012 bis 2013 folgte die neue Haupttribüne.

Im Ligaarchiv steht dieser Fall neben anderen Anlagen, die durch Arbeitskraft statt durch Geld entstanden — dem Zentralstadion Leipzig mit 180.000 Helfern, dem Sportforum Hohenschönhausen, dem Karl-Liebknecht-Stadion und dem Rohrwang in Aalen. Köpenick ist darunter der jüngste Fall — und der einzige, in dem nicht ein Staat oder eine Kommune zur Mitarbeit aufrief, sondern die Anhänger selbst antraten.

Ein fast reines Stehplatzstadion

Von 22.012 Plätzen sind 18.395 Stehplätze — auf ausdrücklichen Wunsch der Anhänger. Waldseite im Norden, Gegengerade im Osten und Wuhleseite im Süden sind reine Stehplatztraversen; alle vier Tribünen sind überdacht.

Damit ist die Alte Försterei das größte reine Fußballstadion Berlins. Den Anforderungen des DFB an Stadien der Kategorie 3 entspricht sie derzeit noch nicht.

Erstmals im Eigentum des Vereins

Seit dem Sommer 2023 laufen umfangreiche Infrastrukturmaßnahmen; geplant ist der Ausbau auf zunächst 37.500 Plätze. Ein Schritt ist bereits vollzogen: Der 1. FC Union Berlin hat sein im Erbbaupachtvertrag festgelegtes Vorkaufsrecht wahrgenommen und das Stadiongrundstück erworben — erstmals seit 1920 gehört das Gelände dem Verein.

Das ist im Bestand der Gegenweg zu Kaiserslautern, wo der Verein sein Stadion 2003 verkaufen musste.

Häufige Fragen zum Stadion An der Alten Försterei

Wie viele Zuschauer fasst das Stadion?

22.012, davon 18.395 Steh- und 3.617 Sitzplätze.

Wann wurde das Stadion eröffnet?

Am 7. August 1920, mit einem Spiel gegen den 1. FC Nürnberg vor rund 7.000 Zuschauern.

Woher kommt der Name?

Von einem benachbarten Forsthaus namens Alte Försterei, in dem heute die Vereinsführung sitzt. Ursprünglich hieß die Anlage Sportpark Sadowa.

Was geschah beim Umbau 2008?

Mehr als 2.300 freiwillige Helfer leisteten rund 140.000 unbezahlte Arbeitsstunden bei der Sanierung und Überdachung der Stehplatzränge.

Woher stammen die Sitze der Haupttribüne?

Aus Restbeständen des Berliner Olympiastadions, das im Jahr 2000 ebenfalls umgebaut wurde.

Warum gibt es so viele Stehplätze?

Auf ausdrücklichen Wunsch der Anhänger. Drei der vier Ränge sind reine Stehplatztraversen.

Gehört das Stadion dem Verein?

Das Grundstück ja — Union hat es über sein Vorkaufsrecht erworben. Erstmals seit 1920 ist das Gelände Eigentum des Vereins.

Wird das Stadion ausgebaut?

Geplant ist ein Ausbau auf zunächst 37.500 Plätze.

Quellen: Stadion An der Alten Försterei bei Wikidata (CC0) (abgerufen 2026-09-05) · 1. FC Union Berlin, Berlin Sportmetropole (abgerufen 2026-09-05) · Der Trampelpfad ins Fußball-Glück, Berliner Kurier (abgerufen 2026-09-05)

Zuletzt geprüft: durch die Ligaarchiv-Redaktion.

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