Ligaarchiv

Ligen / Regionalliga Nordost / Sachsen-Anhalt

Hallescher FCDie Meisterschaft, die einem anderen Verein gehört

4. Liga · Regionalliga Nordost Von Hannes Nagel · geprüft am 2. 10. 2026

Sieben Vorläufer in zwanzig Jahren

Der Hallesche FC wurde am 26. Januar 1966 durch Ausgliederung der Fußballsektion aus dem SC Chemie Halle gegründet — damit in Halle eines der elf Fußball-Leistungszentren der DDR entstehen konnte. Bis 1991 hieß er Hallescher FC Chemie.

Die Vorgeschichte umfasst sieben Vereine:

  • 1946 SG Halle-Glaucha, Nachfolgerin eines Vorkriegsvereins
  • 1948 Umbenennung in SG Freiimfelde Halle
  • 1949 Anschluss der Leistungsfußballabteilung der ZSG Union Halle
  • 1950 BSG Turbine Halle
  • 1954 erzwungener Anschluss an den neu gegründeten SC Chemie Halle-Leuna
  • 1958 Anschluss an den SC Chemie Halle
  • 1966 Ausgliederung als Hallescher FC Chemie

Eine Meisterschaft, die zwei Vereinen gehört

Hier liegt ein Erbfall, den das Ligaarchiv ausdrücklich benennt. 1954 wurde die Oberligamannschaft von Turbine Halle per Beschluss an den neuen Sportclub angeschlossen; der Verein Turbine Halle selbst wurde in die Bezirksliga zurückgestuft — bleibt aber rechtlich Nachfolger des Meisters von 1949 und 1952.

Der Titel gehört also formal einem anderen Verein als dem, der ihn heute führt. Im Ligaarchiv ist das der klarste dokumentierte Fall dieser Art — vergleichbar mit dem Karlsruher SC, dessen Vorgänger 1909 Meister wurde, und mit Dynamo Dresden, dessen Mannschaft 1954 ebenfalls per Beschluss verlegt wurde.

1954 wurden im DDR-Fußball also drei Mannschaften verschoben: Dresden nach Berlin, Lauter nach Rostock und Turbine Halle in den neuen Sportclub.

Meister und Pokalsieger

1951/52 gewann Turbine Halle die DDR-Meisterschaft mit vier Punkten Vorsprung — bei einem Zuschauerschnitt von 22.170, nach knapp 10.000 in der Vorsaison.

Ein Jahr später brach die Mannschaft auseinander: Zahlreiche Spieler flohen infolge der politischen Unruhen um den Volksaufstand von 1953 in die Bundesrepublik. Im Ligaarchiv ist das der einzige verzeichnete Fall, in dem ein politisches Ereignis eine Mannschaft auflöste.

Zwei FDGB-Pokalsiege folgten: 1956 als Zweitligist mit einem 2:1 im Finale, 1962 mit einem 3:1 gegen den SC Dynamo Berlin. Der größte Erfolg des heutigen Vereins war der dritte Platz der DDR-Oberliga 1970/71.

Europapokal aus der zweiten Liga

Als Pokalsieger spielte Chemie Halle 1962 im Europapokal der Pokalsieger und schied gegen OFK Belgrad aus. 1971/72 folgte die Teilnahme am UEFA-Pokal, 1991 eine weitere.

In der DDR-Oberliga spielte der Verein von 1965 bis 1984 — mit einer Saison Unterbrechung — und erneut zwischen 1987 und 1991.

Ligahistorie

Erfasst sind die belegten Spielzeiten der 3. Liga mit Abschlussplatzierung, Quelle und Abrufdatum. Die Jahre der DDR-Oberliga und der Regionalliga werden nachgetragen.

1991/922025/26
2025/264. LigaRegionalliga Nordost, Platz 4
Eine Säule je erfasster Spielzeit, je höher, desto höher die Liga. Lücken sind noch nicht belegte Jahre.
Ligazugehörigkeit Saison für Saison, erzeugt aus dem Datenbestand des Ligaarchivs.
SaisonLigaStufePlatzEreignis
2025/26Regionalliga Nordost4. Liga4laufend
2024/25Regionalliga Nordost4. Liga2
2023/243. Liga3. Liga17
2022/233. Liga3. Liga16
2021/223. Liga3. Liga14
2020/213. Liga3. Liga9
2019/203. Liga3. Liga15
2018/193. Liga3. Liga4
2017/183. Liga3. Liga13
2016/173. Liga3. Liga13
2015/163. Liga3. Liga13
2014/153. Liga3. Liga10
2013/143. Liga3. Liga9
2012/133. Liga3. Liga10
2011/12Regionalliga Nord4. Liga1
2010/11Regionalliga Nord4. Liga5
2009/10Regionalliga Nord4. Liga4
2008/09Regionalliga Nord4. Liga2
1991/922. Bundesliga2. Liga11

Saisondaten zusammengetragen aus: de.wikipedia.org. Enthält Angaben aus Wikipedia, verfügbar unter der Lizenz CC BY-SA 4.0.

Verein und Stadion

Der Hallesche FC hat rund 4.000 Mitglieder, die Farben sind Rot und Weiß. Achtmal gewann er den Landespokal Sachsen-Anhalts.

Heimspielstätte ist das Stadion an der Kantstraße.

Häufige Fragen zum Halleschen FC

Wann wurde der Hallesche FC gegründet?

Am 26. Januar 1966, durch Ausgliederung der Fußballsektion aus dem SC Chemie Halle.

Wem gehören die Meistertitel von 1949 und 1952?

Rechtlich dem Verein Turbine Halle, der 1954 in die Bezirksliga zurückgestuft wurde. Die Mannschaft wurde damals an den neuen Sportclub angeschlossen.

Was geschah 1953?

Nach den politischen Unruhen um den Volksaufstand flohen zahlreiche Spieler in die Bundesrepublik; die Mannschaft fiel auseinander.

Wie oft gewann Halle den FDGB-Pokal?

Zweimal, 1956 und 1962. Den Sieg von 1956 holte der Verein als Zweitligist.

Wie hoch war der Zuschauerschnitt in der Meistersaison?

22.170 in der Spielzeit 1951/52.

Wann spielte Halle im Europapokal?

1962 im Europapokal der Pokalsieger, 1971/72 und 1991 im UEFA-Pokal.

Wie viele Mitglieder hat der Verein?

Rund 4.000.

Weitere Vereine der Regionalliga Nordost

Alle Vereine dieser Staffel mit eigener Seite im Ligaarchiv, geordnet nach dem Traditionsindex.

Zur Staffelseite Regionalliga Nordost

Quellen: Hallescher FC bei Wikidata (CC0) (abgerufen 2026-09-11) · Hallescher FC, Wikipedia (abgerufen 2026-09-11) · Hallescher FC, FCC-Wiki (abgerufen 2026-09-11) · Hallescher FC, English Wikipedia (abgerufen 2026-09-11)

Zuletzt geprüft: durch die Ligaarchiv-Redaktion.

Fehler gefunden? Korrektur an team@ligaarchiv.de melden

HN

Vereine und Staffeln

Hannes Nagel

Schreibt über die Vereine der Regional- und Oberligen und betreut die Staffelseiten. Fan von Borussia Dortmund, was ihn beim Blick auf die vierte Ebene nicht neutral macht. Seiten, die den eigenen Verein berühren, liest vor der Veröffentlichung jemand anderes gegen.

Vereinsbindung: Borussia Dortmund (Bundesliga) · berlinecho.de · Beiträge